Segelkleben - © Frank Ellinghaus -
P O S T Frank
H O M E
Bootsbau Index DEUTSCH boatbuilding index ENGLISH
L I N K S ENGLISH
Bau der Bootshülle Zubehör Der "Segelplan" "Kleben" des Segels Bootslauncher

Mein Dinghy wurde ursprünglich als Familienboot mit nur ca. 3 1/2 qm Segelfläche designed. Ich wollte mehr - (mein derzeitiges Segel hat etwas mehr als 5 qm und es könnte sogar noch größer sein). Wie konnte ich als Amateur das Design des Segelplans ohne große Kosten für mißglückte Versuchssegel ändern?

Eine Möglichkeit war die Verwendung von preiswertem Polytarp als Segeltuch. Polytarp ist ein in den USA benutzter Markenname für eine Polyester-Abdeckplane. Das in den USA hauptsächlich als Segeltuch verwendete Dacron (geschützter Markenname der Firma Du Pont) ist ebenfalls ein Polyester-Material. Es lag daher die Verwendung von Polytarp als billiger Alternative zum "echten" Segelmaterial nahe. Hätte ich "echtes" Segeltuch verwendet, wäre mich das teuer zu stehen gekommen, denn mein erstes zufriedenstellendes Segel erhielt ich erst im dritten Versuch.

Ich bin nicht unbedingt ein guter Schneider und mein Boot sollte möglichst schnell benutzbar sein. Kleben war für mich im Nachhinein gesehen einfach die beste Lösung. Mit Hilfe der Versuch- und Irrtums-Methode habe ich nun ein funktionsfähiges Segel bekommen und das Boot ist gut ausbalanciert, s. hierzu Der "Segelplan".
Für das Erstellen von Versuchssegeln um z. B. herauszufinden, ob ein größeres oder auch ganz anderes Segel für ein Boot überhaupt geeignet ist, dürfte das Kleben ideal sein.

Meine Inspiration erhielt ich durch Jim Michalak´s Artikel über Polytarp-Segel. Jim Michalak näht seine Polytarp-Segel mit einer Nähmaschine. Es spricht vieles für das Nähen, insbesondere die zu erwartende längere Haltbarkeit. Für mich war jedoch die einfachere und schnellere Verarbeitung (und meine Ungeduld) Grund genug, es einmal mit der "Klebemethode" zu versuchen.

Es gibt andere (amerikanische) sites im Internet, die das Segel-Kleben propagieren. Eine bietet sogar weißes! (in den USA recht selten) Polytarp und weißes Klebeband für diesen Zweck zum Kauf an. Segel aus diesem Material dürften von weitem von herkömmlichen Segeln kaum noch zu unterscheiden sein. Hier ist die Polysail Webpage mit einer Beschreibung der von dort empfohlenen Verarbeitung.

Die Polysail-Websites, die ich bisher gesehen habe, verwenden jedoch im Gegensatz zu der von mir hier vorgestellten Methode einseitiges Klebeband, während ich zweiseitig klebendes Teppichklebeband für Außen bevorzuge. Mir erscheint es allein schon wegen der größeren bedeckten Klebefläche haltbarer (beim normalen Klebeband wird ein Teil des Segeltuches durch die sich überlappenden zu verklebenden Flächen abgedeckt, beim doppelseitigen Klebeband jedoch nicht). Mein aktuelles Segel hat nun im September 99 ca. 30 "Segelstunden" hinter sich. Bis auf eine leichte Ablösung im oberen Bereich (die sich durch Nachkleben korrigieren lassen würde) sieht es noch recht gut aus und ist voll funktionsfähig.

Die folgende Methode erscheint mir als der beste Weg um eine möglichst lange Haltbarkeit des Segels zu erzielen. Meine Erläuterung bezieht sich hierbei auf die Anfertigung des von mir benutzten "Sprit"-Segels.

Schritt 1:
Das Teppich-Klebeband auf einer Seite am Rande des fertig zugeschnittenen Segels aufkleben.


Schritt 2


Schritt 2:
Das Wachspapier des Klebebandes entfernen und das Seil zu Verstärkung der Segelkante auf die Mitte des Klebebandes aufdrücken. In der Zeichnung wird dieses Seil als "boltrope" bezeichnet.
Das Verstärkungsseil sollte viel länger als die Seite des Segels sein und an beiden Seiten reichlich herausschauen, um die spätere Befestigung an Mast und Sparren mit diesen Seilenden zu ermöglichen.

Anschließend das Segelende mit dem Teppichklebeband so um das Verstärkungsseil falten, das die Klebeflächen mit dem innen eingeschlossenen Seil zusammenkleben. Das Verstärkungsseil liegt danach an der Außenkante des Segels. Diesen Vorgang mit den restlichen Seiten des Segels wiederholen; beim Spritsegel sind das 4 Seiten mit 4 Verstärkungsseilen. Das Seil für die hintere Segelkante kann dabei dünner sein als die restlichen, da es keine große Last zu tragen hat. Mit den anderen drei Verstärkungsseilen wird das Seil dann später festgezurrt. Sie haben die Hauptzugkräfte aufzunehmen, die bei herkömmlichen Segeln auf den Ösen der Kantenverstärkungen des Segels liegen.

noch Schritt 2



Schritt 3:

Aufkleben von zwei möglichst langen, nebeneinander liegenden Teppich-Klebebandstreifen auf die Abdeckplane und Ausschneiden dieser Doppelstreifen. Hierdurch erhält man Streifen, die sich leicht in der Mitte falten lassen und beide Seiten der Segelkante umfassen können.
Danach Entfernen des Klebeband-Wachspapieres, Falten der Verstärkungsstreifen in der Mitte und Aufkleben an beiden Seiten aller Kanten des Segels. Nun könnte man das Segel bereits mit den Verstärkungs-Seilen ("boltropes" ) befestigen, ohne weitere Ösen für zusätzliche Befestigungen zu benötigen. Persönlich verwende ich jedoch einige Ösen zur besseren Justierung des Segels am Baum und zur Mastseite hin. In den Ecken sind jedoch keine Ösen nötig, da hier ja die boltropes als Befestigung verwendet werden. Ösen würden nur die Last auf das Polytarp-Material und die geklebten Nähte übertragen, während die boltropes extrem gespannt werden können, ohne das Polytarp auch nur im geringsten zu belasten.


Verstärkte Segelkante Hier ist der Rand des Segels, verstärkt durch die (andersfarbigen) Polytarp-Klebestreifen zu sehen. Die boltropes schauen an der Kante nach unten und zur Seite hinaus. Die kurzen unbenutzten Streifen auf dem Segeltuch sind aus einer einzigen Reihe Klebestreifen auf Polytarp geschnitten. Ich benutze sie als zusätzliche Ösen-Verstärkung. Sie können jedoch auch gut in einem "Segel-Reparatur-Kit" Verwendung finden.


Schritt 4 - Anbringung der Ösen:
Zunächst werden kurze (etwa 10 cm), einreihige, polytarpverstärkte Klebestreifen ausgeschnitten. Zum Anbringen der Ösen werden diese Klebestreifen um die Kante des Segels gefaltet und aufgepreßt. Hieraus ergeben sich dann fünf Schichten als Unterlage für die Ösen; das Original Segel, zwei Schichten durch die umlaufende Randverstärkung und weitere zwei Schichten durch die darüber beidseitig geklebten Klebestreifen.


Eckenverstärkung Schritt 5 Eckenkleber Eckenkleber




Schritt 5 - Eckenverstärker anbringen:
Zwei ca. 30 cm Doppelstreifen polytarpverstärktes Teppichklebeband in der Mitte falten (s. kleines Bild oben).
Hierdurch entsteht auf jeder Seite eine ca. 15 cm lange Verstärkung des Segels. Die Seiten wie auf dem Bild rund schneiden.
Dann Wachspapier entfernen und einen Streifen von der Seite sowie den anderen Streifen vom unteren Rand der Segelkante beidseitig über die Kante des Segels kleben.

Schritt 6 - weißes Klebeband überkleben:
Um das Segel vor Sonnenstrahlung und zu großer Hitze zu schützen, verwende ich zusätzlich an der Oberkante und Hinterkante weißes (normales) Klebeband (die deutschen "Fachausdrücke" der einzelnen Seiten des Segels kenne ich leider nicht, vielleicht hilft mir ja jemand weiter?) Ich denke, dies schützt den Kleber des Teppichklebebandes durch Reflektion vor zu großer Hitze durch die Sonnenstrahlen. Wenn dieser bei extremer Sonnenstrahlung zu heiß wird, kann er nämlich ins Rutschen kommen.

Das große Bild
hier habe ich eine Zeichnung des Spritsegels mit Befestigung an den Sparren abgelegt. Das Laden dieser Zeichnung dauert etwas länger. Dafür wird die Art der Segelbefestigung jedoch deutlicher.

Das letzte Bild
Das Bild zeigt das Segel am Mast mit Baum und Sprit
Der Mast ist aus einfachem Konstruktionsholz (Spruce), der deutschen Fichte/Tanne entsprechend und über dem Deck rechteckig (etwa 4 x 9 cm). Lediglich die vordere Kante ist abgerundet. Nur ab dem Deck ist der Mast vollständig rund.


Segel am Mast

Bau der Bootshülle Zubehör Der "Segelplan" "Kleben" des Segels Bootslauncher
P O S T Frank
H O M E
Bootsbau Index DEUTSCH boatbuilding index ENGLISH
L I N K S ENGLISH